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Nur sporadisch habe ich bisher etwas in mein Firmen-Tagebuch geschrieben oder zu anderen Themen geblogt. Umso mehr habe ich mir seit 2009 angewöhnt, Kurzes auf Twitter zu schreiben (Facebook war mir immer zu weitschweifig und aufdringlich). Twitter hat mir viel interessanten Lesestoff gezeigt, verliert aber an Reiz, je mehr es quasi-professionell betreiben, um irgendwas zu propagieren. Andererseits läßt mir die eigene Firma nun auch schon eher wieder mal Zeit, mich mit gewissen Geschichtsthemen zu befassen, die noch vom Studium her hier unabgeschlossen in Schubladen und Karteikästen liegen.

Neujahrsansprache 2018

31. 12. 2017, Kategorie: Gesellschaft

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger! Laßt euch nicht verrückt machen! Und wenn es schon zu spät ist und ihr schon von Angst und irrem Haß zerfressen seid, dann schämt euch und geht in den Keller, hackt Holz oder grabt den Garten um wie früher, statt euren Gedankenmüll in der Öffentlichkeit abzuladen! Bestellt nicht im Internet, ihr seid ja doch nie zuhause, wenn der Paketbote kommt, geht lieber in Eure Stadt, redet mit euren Nachbarn und gebt euer Geld bei ihnen aus, dann haben die auch was zum ausgeben, und alles wird wieder gut! Macht eure Handys aus, guckt euch die Welt mit eigenen Augen an statt sie zu fotografieren, dann brauchen eure Freunde nicht eure Fotos angucken und haben mehr Zeit, die Welt mit ihren eigenen fünf Sinnen zu genießen und allen geht es besser! Laßt euch nicht alles gefallen von euren Chefs, geht in die Gewerkschaft, kämpft für eure Rechte (nicht hehen Ausländer!), sonst bekommt ihr ein Magengeschwür oder noch Schlimmeres. Und schaltet den Fernseher aus, wenn Blödsinn kommt, statt zu twittern, daß im Fernsehen Blödsinn kommt. Glaubt nicht alles, was in der Zeitung steht, aber erst recht nicht alles, was euch Gugel und Feisbuk erzählen! Baut euch euer eigenes Gemüse und Obst an, backt ab und zu etwas Gutes, gibt nichts besseres fürs Gemüt, als mit den eigenen Händen etwas zu schaffen! Und in der Erde leben Milliarden Bakterien, aber die sind nicht giftig, bei den Zutaten im Industriefutter bin ich nicht so sicher. So und jetzt feiert schön, aber übertreibts nicht. :-) Ein gutes neues Jahr Euch allen!

zul. bearbeitet 2017-12-31 08:49:07

Keine Gebührenexplosion ohne Bürgerbeteiligung

10. 02. 2016, Kategorie: Gesellschaft

Die neuen Straßenreinigungsgebühren in der Erich-Ollenhauer-Straße können wir nicht hinnehmen. Steigerungen um 300, 400 % und mehr sind unzumutbar und sittenwidrig. ELW argumentiert, dafür bekämen wir mehr Sauberkeit, aber die Bürgersteige in unserer Straße drei Mal in der Woche zu kehren, ist völlig unnötig. Auf so eine abwegige Idee kann nur ein "Experte" irgendwo an einem Schreibtisch kommen, der noch nie hier gewesen ist. Ein neues Reinigungssystem sollte doch mit den Anwohnern gemeinsam erarbeitet werden, die die Straße täglich vor Augen haben. Der Verkehr auf der Straße steigt zwar, deswegen gehen aber hier nicht mehr Menschen zu Fuß entlang und verschmutzen den Bürgersteig. Daß wir bisher den Schmutz vom Bürgersteig einfach auf die Straße gekehrt hätte, ist auch ein haltloses und geradezu bösartiges Argument, um uns "den Besen aus der Hand zu nehmen". Im Anschluß an eine sehr intensive Informationsveranstaltung im Museum haben sich viele Bürger zusammengetan und nun diesen Offenen Brief verfaßt, der sehr gut argumentiert, warum die von Herrn Dr. Franz und der CDU kurz vor Weihnachten mit der brachialen Drohung, sonst den Haushalt scheitern zu lassen, durchs Stadtparlament gejagte neue Reinigungssatzung grober Unfug ist. Und jetzt plakatiert die CDU zur Kommunalwahl auch "Sauber machen - Stärke zeigen" - ohne dazuzuschreiben, daß wir gezwungen werden, den Spaß zu bezahlen.

Offener Brief an die Stadt Wiesbaden Herrn Sven Gerich, Oberbürgermeister, und Herrn Dr. Oliver Franz, Ordnungsdezernent,  sowie an die Stadtverordneten, den Magistrat, die Ortsbeiräte und den Ausländerbeirat Viele Wiesbadener Ortsteil-Initiativen gegen die neue Reinigungssatzung bündeln ihren Protest!  Wir zeigen jetzt Stadt und ELW die rote Karte! Wir sind für die Gehwegreinigung in Bürgerhand!  Unsere wichtigsten Forderungen an die städtischen Organe sind deshalb: •    Gehwegreinigung in Bürgerhand - Reinigungsklasse A nur bei Allgemeininteresse •    Ausrichtung der Straßenreinigung am Reinigungsbedarf - Fahrbahn- und Gehwegreinigung entkoppeln •    Stopp für die Straßenreinigungssatzung 2016/2017 - keine Gebührenexplosion •    Neukonzeption der Straßenreinigungssatzung - BürgerInnen beteiligen Sehr geehrte Damen und Herren, sehr geehrte Vertreterinnen und Vertreter der städtischen Organe,  viele BürgerInnen der Stadt haben in lokalen Initiativen, mit Leserbriefen an die Presse, in Ortsbeiratssitzungen, in Briefen  an Stadt und ELW und mit Unterschriftensammlungen ihre Empörung über die neue Straßenreinigungssatzung kundge- tan. Bereits in der ELW-Informationsveranstaltung am 14.1.2016 war der Protest der BürgerInnen immens. Die erste Stufe  der neuen Satzung wurde gleichwohl zum 1.1.2016 in aller Hektik umgesetzt.  Die fehlende Bürgerbeteiligung im Vorfeld des Stadtverordnetenbeschlusses rächt sich nun. Es gab vor dem Beschluss  keine öffentlich zugänglichen Informationen! Es gibt auch keine Übergangsfristen, keine Härtefallregelungen, keine Ober- grenzen für Gebührenerhöhungen, keine Rücksicht auf Vertragsbeziehungen mit privaten Reinigungsfirmen und keinen  Blick auf die deutliche Steigerung der Mietnebenkosten oder auf die Situation der Reinigungsbranche. Damit stellt sich die  Wiesbadener Politik ein Armutszeugnis aus und verstärkt leider abermals die Politikverdrossenheit in der Bürgerschaft! Gehwegreinigung in Bürgerhand - Reinigungsklasse A nur bei Allgemeininteresse!  Unsere Hauptkritik gilt der Umgruppierung von mehr als 9.300 Grundstücken in die Reinigungsklasse A und der damit  verbundenen Übernahme der Gehwegreinigung durch die ELW. Großflächig wird auch noch der Reinigungsturnus für  Fahrbahn und Gehweg erhöht, obwohl dies aufgrund der nicht vorhandenen Verschmutzung gar nicht notwendig ist. Die  Gebühren steigen somit grundlos und unverhältnismäßig auf das Drei- bis Siebenfache. Das Reinigungsintervall des Geh- wegs ist dabei fest an das der Fahrbahn gekoppelt. Das ist weder sachgerecht noch erforderlich. Die wöchentliche Mehr- fachreinigung nicht verschmutzter Fahrbahnen und Bürgersteige treibt nur die Gebühren in die Höhe.  Den Bürgern wird nach vielen Jahren und aus heiterem Himmel die Gehwegreinigung unbegründet aus der Hand genom- men. Dabei sind sie oder die Reinigungsfirmen ihrer Verantwortung stets gut nachgekommen. Die Begründung, die ELW  wolle damit Schnittstellen zwischen ELW (Fahrbahnreinigung) und BürgerInnen bzw. privaten Reinigungsfirmen (Gehweg- reinigung) beseitigen, ist fadenscheinig. Zumal der Winterdienst für die Gehwege ja weiterhin den Anliegern obliegt.  Kritik an der neuen Satzung beantwortet die ELW mit einer Bürgerumfrage, wonach 77% der Wiesbadener eine sauberere  Stadt wollten. Das ist unlauter! Diese Umfrage in 2014 (3.000 Rückmeldungen) war allgemein auf das Leben in Wiesbaden  bezogen. Daraus kann niemand das Mandat ableiten, die Gehwegreinigung in sauberen Straßen zu übernehmen, und  schon gar nicht undifferenziert flächendeckend in der ganzen Stadt. Die Reinigungsklasse A sollte nur für Straßen gelten,  in denen ein Allgemeininteresse an sauberen Bürgersteigen besteht (Innenstadt, neuralgische Stellen). Ausrichtung der Straßenreinigung am Reinigungsbedarf - Fahrbahn und Gehwegreinigung entkoppeln!  Die ELW begründet die Umgruppierungen mit dem zu erwartenden Verschmutzungsaufkommen, nicht mit dem tatsächli- chen Reinigungsbedarf. Sie verweist auf ihre wissenschaftlich-objektive Herangehensweise und die Strukturdaten. Die  Matrix mit den über 40 Kriterien ist jedoch nicht immer transparent, basiert auf Aktenlage, und die Strukturdaten stam- men aus zum Teil veralteten Statistiken. Sie beinhaltet zudem falsche Werte. Vor allem erklärt die Matrix nicht die Zuord- nung vieler Straßen in die jeweilige Reinigungsklasse, denn gleiche Strukturdaten führen nicht zwingend zur selben Reini- gungsklasse. Viele BürgerInnen haben Ortsbeiräte, Stadt und ELW auf diese Ungereimtheiten bereits mehrfach hingewie- sen – bislang ohne Erfolg.  So sind viele Straßen willkürlich der Gruppe A zugeordnet wegen des sog. Quartiersbezugs und wegen ihrer räumlichen  Lage im 2. Stadtring und in Subzentren, trotz an sich guter Qualitäts- und Strukturwerte. Aber auch vielbefahrene A- Straßen haben nicht zwingend schmutzige Gehwege! In vielen dieser Straßen sind auf den Gehwegen nämlich nur deren  Anlieger als Fußgänger unterwegs. Für die ELW ist im Ergebnis auch gar nicht der tatsächliche Reinigungsbedarf von Fahr- bahn und Gehweg entscheidend, sondern nur die räumliche Zuordnung nach statistischen Strukturdaten. Das entspricht  weder dem Sinn der Satzung noch der Angemessenheit kommunaler Abgaben.  Die Absurdität bei der Festlegung der Reinigungsintervalle sowie der Kopplung von Fahrbahn- und Bürgersteigreinigung  mündet darin, dass durch die ELW nunmehr vielerorts mehrfach wöchentlich saubere Bürgersteige gereinigt werden. Das  ist schlichtweg eine Verschwendung von Personal-, Material- und Maschineneinsatz seitens der ELW. Dies wiederum ist  mit dem auch für städtische Verwaltungen oder Firmen verbundenen Gebot des wirtschaftlichen Handels nicht vereinbar. Stopp für die Straßenreinigungssatzung 2016/2017 - keine Gebührenexplosion!  Ordnungsamt und ELW betonen, dass die Gebührensätze stabil bleiben. Das ist jedoch nur die halbe Wahrheit. Denn bei- der Hauptziel ist erklärtermaßen die Erhöhung der Gebühreneinnahmen: 5 Mio € spült die neue Reinigungssatzung nach  Umsetzung der 1. und 2. Stufe in die Kassen der ELW. Das ist eine Einnahmenerhöhung um 45%, die die BürgerInnen zah- len sollen. Diese fallen aber auf den Etikettenschwindel nicht herein.  Interessant dabei ist: Die zusätzliche Gehwegreinigung in der Klasse A macht den Löwenanteil der zusätzlichen Reini- gungskilometer der ELW aus! Die Fahrbahn-km bleiben jedoch nahezu gleich. Die drastische Einnahmenerhöhung der  ELW resultiert also nahezu alleine aus der unnötigen und von den Bürgern nicht gewollten „Leistungserweiterung“!  Wegen der zusätzlichen Gehwegreinigung sollen bei der ELW 60 neue Stellen geschaffen werden. Erklärtes Ziel der städti- schen Beteiligungspolitik ist aber doch eigentlich die Verschlankung der Eigenbetriebe und Tochtergesellschaften. Wes- halb gab es keinen Beschluss für die günstigere Alternative, das ELW-Defizit in Höhe von 1,6 Mio € zunächst über eine  Gebührenerhöhung von 18,8 % für alle auszugleichen? Warum wird das ELW-Defizit nicht genauer analysiert? Neukonzeption der Straßenreinigungssatzung - BürgerInnen beteiligen!  Die städtische Politik zeigt keinerlei Gestaltungswillen. Warum kann die Gehwegreinigung nicht in Bürgerhand bleiben?  Warum konzentriert sich die ELW nicht auf die Fahrbahnen und die neuralgischen Stellen? Auch das teils ungerechte Ge- bührenmodell sollte überprüft werden. Wieso werden Kosten, die die Allgemeinheit verursacht, nicht von der Allgemein- heit getragen? Die BürgerInnen hätten dazu viele Beobachtungen und Anregungen – allein, sie wurden nicht gefragt.  Kurzum: Die Stadt Wiesbaden macht es sich mit der neuen Straßenreinigungssatzung, die an jedweder Notwendigkeit und  Angemessenheit vorbeigeht, zu einfach. Es braucht stattdessen eine Neukonzeption mit Beteiligung der Bürgerinnen und  Bürger, und zwar am besten nach den in 2015 erarbeiteten Leitlinien für die Bürgerbeteiligung in Wiesbaden.  ------------------------------------------------------ Initiative „Gehwegreinigung in Bürgerhand (GiB)“  Joachim Bußhardt, Christine Dietz, Claudia Höhler-Bardior, Albrecht Koch, Heiner Lompe, Karl Roßel, Monika Schnabel,  Ulrike Schön, Jürgen Uffmann Die Unterzeichner sind benannte Vertreter der Ortsteil-Initiativen. Sie erläutern Ihnen gerne die Kritik und die Forderun- gen der Bürgerinnen und Bürger. Kontakt E-Mail: Gehwegreinigung-in-Buergerhand@gmx.de Dieser Offene Brief an die Stadt Wiesbaden geht zugleich an die IHK Wiesbaden, an die Handwerkskammer Wiesbaden,  an die Wiesbadener Grundeigentümer- und Mietervereine sowie an die lokale Presse.
Im Januar hat ELW hier übrigens statt dreimal wöchentlich nur insgesamt 3 Mal die Gehwege gekehrt. Die zuviel gezahlten Gebühren verlangen wir zurück.

zul. bearbeitet 2016-12-15 23:42:38

Ja zu sonntagsoffenen ...

19. 08. 2015, Kategorie: Gesellschaft

Büchern Berggipfeln Doppelbetten Zelten Badeplätzen Skiloipen Meeren Sprungschanzen Kinos Wanderwegen Kunstausstellungen Autofenstern Bethäusern Gewächshäusern Gitarrenkästen Altersheimen Stalltüren Marmeladenbechern Hallenbädern Berghütten Blütenblättern Herzen ... Ja zu sonntagsoffenen Menschen (nicht Geschäften) Øystein Hauge [In Norwegen wird zur Zeit heftig über sonntagsoffene Geschäfte diskutiert. Ich hab diesen Text von "Framtiden i våre hender" übersetzt nach diesem Tweet:]

zul. bearbeitet 2015-08-19 19:40:57

Digital Leben #digitalleben

05. 10. 2014, Kategorie: Gesellschaft

Die SPD hat dazu eingeladen, daß man seine persönlichen Antworten auf 10 Fragen bloggt. Nachdem es @pausanias getan hat und nun auch @pyrolim gefolgt ist, dachte ich mir, versuch ichs auch ganz kurz, Kleingärtner sind ja berüchtigt dafür, zu allem Möglichen ihre Weisheiten kundtun zu wollen. Dabei fiel mir auf, wie gut die Fragen ausgedacht sind: man kann nicht ins Schwafeln kommen und muß alle Seiten der Medaille betrachten. Also, hat Spaß gemacht! Versuchts doch auch mal?

In einer digitalen Welt zu leben, bedeutet für mich…
mit viel mehr Leuten reden können, die meine Interessen teilen, als früher. Wobei das allerdings alles noch Interessen aus dem vor-digitalen Leben sind.
Mein Computer ist für mich…
die Zigarettenpause mit den Kollegen, die mir manchmal ein bißchen fehlt.
Wirklich gut! Die größte Chance durch die Digitalisierung ist…
daß jeder ein kleiner Produzent sein kann von Dingen, die er gut machen oder tun kann, und direkt an jeden verkaufen könnte, also den vollen Endpreis für seine Arbeit bekommen. Das wäre eine Revolutionierung der Wirtschaft mit viel segensreichen Nebenwirkungen für Umwelt und Gesellschaft.
Bedrohlich! Wir müssen aufpassen, dass…
uns nicht die gephotoshopten Bilder ein Ersatz für die Wirklichkeit werden, weil es so bequem ist, vor dem Bildschirm sitzenzubleiben und nur noch die anzuschauen.
Die Digitalisierung verändert mein Leben durch…
ein anderes Denken, wie in einem Programm: ich versuche, alles zum optimalen Zeitpunkt, in der optimalen Reihenfolge, mit der optimalen Technik zu machen. Weniger Schufterei, mehr Überlegung.
Chatten mit den Enkeln, Einkaufen per Mausklick, Arbeiten ohne feste Bürozeiten. Was bringt die Digitalisierung für Familien und Ältere?
nicht so viel. Zum Glück ist bei uns die Familie noch ein Bereich, wo eher selten mal ge-emailt wird, das muß es nämlich auch noch geben.
Programmieren in der Grundschule, das gesamte Faktenwissen der Welt in der Suchmaschine. Wie sollte Bildung der Zukunft aussehen?
Das könnte zur totalen Demokratie oder zur totalen Verblödung und Abhängigkeit von Anbietern führen, je nachdem wie unabhängig von Konzernen die Schule das durchführt.
An jedem Ort arbeiten können und ständig erreichbar sein. Was bedeutet das für Arbeit im Digitalen Zeitalter?
Auch das könnte zu einer Art Paradies (kaum noch Pendeln, freie Zeiteinteilung) oder einer Art Hölle (tag und nacht auf Abruf) werden, je nachdem ob Arbeitgeber oder Arbeitnehmer Macht haben, das zu gestalten.
Was müssen wir im digitalen Zeitalter tun, damit unsere Wirtschaft erfolgreich bleibt?
Von Großunternehmen, Großprojekten und der ganzen Massendisziplinierung wegkommen, die nur waren, solange der Mensch nicht direkt mit dem entfernt wohnenden Menschen interagieren konnte.
Die Digitalisierung schafft Chancen und birgt Risiken. Von der SPD erwarte ich, dass…
sie aufpaßt, daß das, was die Arbeiter in Generationen erkämpft haben, nun nicht einfach verächtlich zum alten Eisen geworfen wird, weil eine neue, von Grund auf andere Wirklichkeit quasi über uns gekommen wäre. Das wäre nämlich ein fataler Irrtum und der beste Weg zurück in Faschismus, Unterdrückung und Ausbeutung, furchtbarer als je zuvor.

zul. bearbeitet 2016-08-24 18:18:56

Selbermachen als Revolution

18. 01. 2012, Kategorie: Gesellschaft

Aus den "Hausnachrichten", Ausgabe Herbst 2011 von Manufactum

"Aber was heißt schon konservativ? Wer sich heute nach Jahrzehnten unhinterfragter, hochtechnisierter Lebensmittelindustrie darum bemüht, wenigstens ein stückweit wieder die Kontrolle über das tägliche Essen zurückzugewinnen, und durch eigenes Gärtnern einen Ausweg aus dem künstlichen Paradies der spottbilligen Supermarkt-Lebensmittel sucht, ist am Anfang des 21. Jahrhunderts alles andere als konservativ. Das aber ist das hauptsächliche Ansinnen – unseres und das eines Großteils der Gärtner: das Selbermachen, auch als Notwehr gegen die zugewiesene Rolle als bloßer Konsument. Wir sehen darin etwas, das größer ist als eine Mode. Etwas, das man angesichts der fortschreitenden Marktentwicklung im Lebensmittelbereich ganz anders beschreiben könnte: als Umkehr, als Re-volution."
Große, aber sehr wahre Worte, wie ich meine.

zul. bearbeitet 2016-08-20 04:46:02

Weltuntergangs-Apfelbäumchen

26. 10. 2011, Kategorie: Gesellschaft

Viele in meiner twitter-Timeline sind heute nach der Abstimmung über EFSF sehr ungehalten über Politiker und Parlament im allgemeinen und pessimistisch bis sarkastisch, was die Zukunft angeht. Ich bin mir zwar nicht sicher, ob das den Weltuntergang bedeutet, da käme manch andere Entscheidung auch in Frage, aber Luther hat ja geraten, an solch einem Tag ein Apfelbäumchen zu pflanzen. Nun habe ich eigentlich Äpfel genug im Garten, aber zwei Spalierbäume, nun 20 Jahre alt, ein Ontario-Apfel und eine Bühler Zwetsche, haben nie etwas Gescheites getragen und waren nun auch keine Zierde mehr am Zaun zum Nachbarn. Kurz, sie sind nicht mehr. Dafür wird dort eine hohe (1,50 bis 3 m) Rosenhecke wachsen. Ich stelle sie mir sehr schön vor, zumal sie zur Hälfte den Platz mit einrahmt, an dem wir im Sommer gern sitzen, und zähle sie mal von vorn nach hinten, von der Sonne in den Halbschatten, auf: damascena Trigintipetala La Reine Mme Ernest Calvat Mme Pierre Oger Mme Isaac Pereire Souvenir du Docteur Jamain rugosa Sarah van Fleet rugosa Agnes rugosa Conrad Ferdinand Meyer Fantin Latour alba Maidens Blush gallica Conditorum Variegata di Bologna

zul. bearbeitet 2016-08-20 04:12:03

"... verkaufen wir importierte Ware aus Übersee, das rechnet sich, aber unsere Ware können wir vergessen."

25. 10. 2011, Kategorie: Gesellschaft

Warum das so ist oder sein soll, daß Schnittrosen fast nur noch aus Übersee kommen, obwohl die weltweit wichtigsten Züchter wie eh und je vor den Toren Hamburgs residieren, dem geht eine Film-Dokumentation von Michael Richter auf den Grund. Ein Film über Ausbeutung, Naturzerstörung und Existenzzerstörung im Namen der Königin der Blumen. http://www.einsplus.de/EinsPlus/Tagesprogramm/Tagesprogramm-Sendung-EinsPlus?eventID=1016946743709 Dank an @muehlenwind für den TV-Tip! Nachtrag 26.10.2011: Der obige Link führt schon ins Leere, beim SWR gabs den Film auch, da ist die Seite noch online.

zul. bearbeitet 2011-10-27 20:15:46

Starke Argumente gegen Krieg

13. 10. 2011, Kategorie: Gesellschaft

Las gerade "So ticken Bomberpiloten. Ein Psychogramm des Tötens". Nach dem Vietnam-Krieg nahmen sich mehr Soldaten das Leben, als im Krieg getötet worden waren. Menschen, wie andere Tiere, haben von Natur aus eine starke Hemmung, ihresgleichen zu töten. Regierungen ersinnen immer raffiniertere Tricks, diesen Instinkt auszuschalten. Doch je stärker er im Moment des Krieges unterdrückt wird, desto stärker meldet er sich später und stürzt den Menschen in tiefste Verzweiflung. Ich hatte das mitbekommen, aus Literatur, aber immer gedacht, es sei mehr die Ausnahme. Es ist aber die Regel. "Eure Taten werden auf Euch lasten über viele Generationen," steht glaube ich, irgendwo im Alten Testament. Alfred Andersch hat seinen Vater beschrieben, der als Krüppel den Ersten Weltkrieg überlebt hatte. Mein Vater hat nicht viel erzählt, andere aus dieser Generation konnten nicht aufhören, von Heldentaten zu erzählen, beides hilflose Versuche, mit etwas Ungeheurem fertigzuwerden. Danke @Ober_Franke der den Link zu dem Artikel getwittert hat.

zul. bearbeitet 2016-08-24 05:30:55

"Wolle Rose kaufe?" - Was ist da los?

03. 10. 2011, Kategorie: Gesellschaft

Man hat das Schönste, was es im Reich der Pflanzen gibt, in ordentlicher bis exzellenter Qualität aus eigener, nachhaltiger Produktion zu fairen Preisen mit viel Information und Beratung drumrum im Angebot und muß es anpreisen wie sauer Bier, fast wie die armen Leute, die von Tür zu Tür ziehen um Bürsten zu verkaufen, die kein Mensch braucht, aber ein paar halt aus Mitleid abnehmen. Was ist da los?[weiter]

Kleine Guttenbergs

07. 03. 2011, Kategorie: Gesellschaft

Kleine Guttenbergs muß es viele geben. Auf Anhieb fallen mir zwei Auszubildende ein: Einer wußte, daß er später in die Fußstapfen seines geschäftlich "erfolgreichen" Vaters treten würde. Zuvor sollte er allerdings Gärtner lernen. Wir zeigten ihm am ersten Tag Ackerflächen mit allerlei verschiedenen komplizierten Kulturen und wollten ihm etwas Vorfreude vermitteln auf den Stolz darüber, was er alles nach der Lehre können werde. Die Reaktion des Grünschnabels vergesse ich nie: "Was, das macht ihr alles selbst? Schön blöd, das gibts doch spottbillig in Polen." Ein anderer glaubte auch schon mit Anfang 20, ihm gehöre die Welt und konnte überhaupt nicht verstehen, daß ich mich in der Gründungsphase von rosenwelten mit sowas wie Texte schreiben aufhielt (Beschreibungen der Sorten im Angebot, Pflanzanleitungen). Wo es das doch alles im Internet und in Katalogen anderer Firmen schon gibt! Wobei die jungen Leute ja nur kundtun, was sie sich bei ihren Eltern usw. abgeguckt haben. Die "Ich-bin-doch-nicht-blöd"-Mentalität. Gut, daß mal einer richtig medienwirksam dafür die Rechnung bekommen hat.

zul. bearbeitet 2016-08-24 18:27:52

Erste Frühjahrsarbeiten, Tobinsteuer und Bundestagsreden

23. 01. 2010, Kategorie: Gesellschaft

Heute habe ich es endlich geschafft, von der Bastelei an rosenwelten.de loszukommen und mit den allerersten Frühjahrsarbeiten zu beginnen. Ist jedes Jahr ein besonderer Tag, dieser allererste. War auch das passende Wetter: mild und an den wärmeren Ecken auch schon schneefrei. So gings wie von selbst: Arbeitsräume aufgeräumt, Vorräte nachgesehen und Einkaufsliste geschrieben, Stauden und erstes Gemüse ausgesät. [weiter]

Tobinsteuer - Glückwunsch!

09. 12. 2009, Kategorie: Gesellschaft

Es hat also doch gereicht. Die magische Zahl ist erreicht worden. 50.000 oder mehr Leute haben die Petition zur Einführung einer Finanztransaktionssteuer in den ersten drei Wochen mitgezeichnet. Wie viel genau, ist nicht bekannt. Die Zahl der online abgegebenen Stimmen konnten wir im Internet live wachsen sehen, und danach sah es am 4.12. eher nach Scheitern aus. In dieser Situation schrieb ich meinen vorigen Beitrag "Tobinsteuer - am Tag danach". Aber es waren eben noch viel mehr Unterschriften auf Papier eingereicht worden, als wir dachten, die wurden am Montag, 7.12., ausgezählt und brachten die Wende zum Guten. Nun haben viele gejubelt, einige sich den Befürwortern hinzugesellt und auch schon einige ihren Widerstand formiert. Mit anderen Worten, die schwierigste Phase hat begonnen: aus der breiten Unterstützung in der Bevölkerung ein politisches Faktum zu schaffen, das wirklich etwas bewirkt. Der Initiator der Petition, Jörg Alt, hat die Situation treffend charakterisiert: Gewonnen sind bisher sehr, sehr viele aus der Opposition, gewonnen werden müssen nun noch die, die aufgrund des Wahlergebnisses vom vergangenen September im Bundestag die Mehrheit haben. Die größere der beiden Regierungsparteien scheint da bisher noch recht unentschieden, die kleinere stellte sich gleich am Samstag lauthals dagegen. Das Gute dabei: Was sie an Argumenten anführt, ist nicht schwer zu widerlegen. Es steht schon auf www.steuer-gegen-armut.de in der FAQ. Argumente sind in der Politik aber leider nicht immer der einzige Machtfaktor. Wichtig finde ich jetzt, in der Diskussion ganz klar vernünftige Geldanlagen, mit denen ja viele für ihr Alter vorsorgen, und schädliches Milliardenverschieben auseinanderzuhalten. Die Tobinsteuer belastet das Letztere. Und nützt damit ja der Sicherheit der vernünftigen Anlagen, indem sie die Finanzmärkte zwingt, ruhiger zu werden. Die FDP versucht anscheinend, den kleinen Riester- und Rürup-Sparern Angst zu machen und sie zu mobilsieren für den Widerstand der großen Spekulanten gegen die Regulierung ihres Treibens. Vielen ängstlichen Menschen wird auch leicht weiszumachen sein, wenn man nur irgendetwas gegen die Großen Finanzakteure unternimmt, könnten sie sich böse an uns allen rächen, ihr Geld außer Landes schaffen usw. Dagegen hilft ein kurzer Blick nach London. Dort wurden und werden schon lange Steuern auf Finanztransaktionen erhoben und - ist London nicht die eigentliche Drehscheibe des Großen Geldes? Neben diesen Diskussionen bleibt aber noch eine andere wichtige Möglichkeit, das Projekt zu unterstützen. Die Petition läuft ja noch bis 25.12. Ein wunderbares Datum! Viele wissen noch gar nichts davon, andere haben jetzt vielleicht in den Nachrichten etwas gehört, wissen aber noch nichts von der Mitzeichnungsmöglichkeit. Auch wenn man in die Gespräche beim Abendessen im Kanzleramt nicht direkt eingreifen kann, die letztlich entscheiden, wenn bis Weihnachten aus der 50.000 das Anderthalbfache oder - Träumen ist legal - das Doppelte würde, würde es der Sache wohl schon etwas mehr Respekt verschaffen. (im wesentlichen fertig, Nachfeilen und Ausschmücken mit schönen Links im Laufe des Tages kann noch kommen.)

zul. bearbeitet 2016-08-23 20:59:18

Tobinsteuer. Am Tag danach.

05. 12. 2009, Kategorie: Gesellschaft

Ob bis gestern um Mitternacht die Anzahl Stimmen zusammengekommen ist, daß der Bundestag eine Anhörung veranstaltet, ist vorerst unklar, da die per Fax und auf Papier eingegangenen Unterschriften nicht ausgezählt sind. Das Ergebnis soll Montag auf der Kampagnenwebsite bekanntgegeben werden: www.steuer-gegen-armut.de. Leider war bis zum 2. Dezember von den Trägerorganisationen der 3. als entscheidende Frist publiziert worden. Als dann auf der Bundestags-Seite, versteckt in einem Forumsbeitrag, ein Global Moderator den 4. bekanntgab, ließ er sich kaum noch so breit bekanntmachen, daß an diesem Tag die Stimmen weiter so zügig wie an den Tagen zuvor angestiegen wäre, und es hat dann trotz allen guten Willens und Einsatzes wohl nicht ganz gereicht. Über eine der bei Twitter kursierenden Kurzadressen kamen aber immerhin am 4.12. noch 1463 Leute zur Petitionsseite! Die Bohrmaschinen-Tweets auf Twitter gestern abend Staistik aller Klicks via bit.ly Wenn es doch reicht, ist immer noch ungewiß, wie schnell der Bundestag die Öffentliche Anhörung anberaumt. Im Fall der Grundeinkommen-Petition, die im Februar 50.000 Stimmen zusammenbekam, hat er bis heute keine solche Öffentliche Anhörung angesetzt: www.grundeinkommenimbundestag.de Die Petition kann aber grundsätzlich bis 25.12. weiter unterzeichnet werden (auch diese doppelte Frist erleichtert es nicht gerade, dafür zu werben). Vielleicht sollte man sich jetzt, unabhängig von den 50000, weiterhin für eine möglichst große Gesamtzahl einsetzen und hoffen, daß der Petent und die einflußreichen Organisationen des Kampagnenbündnisses diese nutzen, um, mit oder ohne Öffentliche Anhörung, Öffentlichkeit zu erzeugen und der Steuer zum Erfolg zu verhelfen. In diese Richtung könnte Entwicklungshilfe-Minister Niebel heute bereits gewirkt haben, indem er öffentlich seine Ablehnung einer Tobinsteuer erklärte. Hätte er das ein paar Tage früher getan, hätte das Thema bereits vor Ende der 50000-Frist im Rampenlicht gestanden! Nun braucht man eigentlich nur noch allen, die nicht Niebels Meinung sind, die Internetadresse verraten, unter der sie die Petition dafür unterzeichnen können. dpa-Meldung vom 5. 12. auf ntv Bei der Meldung über Niebel wurde auch berichtet, daß eine Finanztransaktionssteuer von Bundeskanzlerin Merkel unterstützt wird. - Das Schwierige an diesem Projekt scheint irgendwie auch zu sein, daß es von so vielen, aus ganz verschiedenen politischen Richtungen, gutgeheißen wird. Aber niemand setzt es an die erste Stelle auf seiner Agenda. Vielleicht weil man Bauchschmerzen dabei hat, eine Sache zu unterstützen, die die anderen auch gut finden? Wie sollte man sich sonst erklären, daß es trotz der Zahl und Größe der hinter der jetzigen Kampagne stehenden Organisationen so schwierig war 50.000 Stimmen zusammenkommen? ... Nachtrag vom 6.12.: Ein großes Problem waren die zerstreuten Infoirmationen und Adressen:

zul. bearbeitet 2016-08-23 20:58:46

Tobinsteuer-Petition

29. 11. 2009, Kategorie: Gesellschaft

Als sie im Herbst 2008 Unsummen zur Stützung der Wirtschaft ausgeben mußten, versprachen die Regierungen, nie wieder zuzulassen, daß Finanzspekulanten solchen Schaden anrichten können. Seit einigen Wochen liest man nun immer öfter (z.B. taz vom 10.11., bei ver.di am 27.11. und umfassend in junge welt vom 30.11.), daß das Geld, das seither zur Stützung der Wirtschaft ausgegeben wird, eine neue Blase aufbläht, die im kommenden Jahr "reif" sein dürfte zum Platzen. Das als Hilfe gedachte "billige Geld" wird zur riesigen Bedrohung für die Wirtschaft. Womit soll der nächsten Krise entgegengesteuert werden? Das weiß offenbar niemand, und deswegen spricht kaum jemand öffentlich über das Thema. Die Regierungen haben ihre Mittel bereits verwendet, und was die nächsten Generationen an Steuern zahlen werden auch. - Der Deutsche Bundestag ermöglicht seit einiger Zeit, ganz komfortabel online Petitionen mitzuzeichnen. Eine einfache Registrierung bei der Website reicht, um sich zu legitimieren. Eine von vielen großen gesellschaftlichen Gruppen (attac, Adveniat, dem DGB, Misereor, der Welthungerhilfe u.v.a.), getragene Petition fordert zur Zeit die Einführung einer Steuer auf Finanztransaktionen, der sogenannten Tobinsteuer. Eine solche Steuer würde aberwitzige Finanztransaktionen zumindest behindern, ohne daß gleich das Geld allgemein wieder verteuert werden müßte - zum Schaden der noch von der vorigen Krise betroffenen Unternehmen. Die Petition kann noch bis Weihnachten mitgezeichnet werden, aber wenn bis kommenden Donnerstag, 3.4. 12., 50 000 Stimmen zusammenkommen, ist der Bundestag verpflichtet, zu diesem Thema eine öffentliche Anhörung zu veranstalten, was die Chancen natürlich steigert, daß tatsächlich politisch etwas bewegt wird. Ich finde, die kleine Mühe, sich zu registrieren und diese Petition zu unterzeichnen sollte sich jeder machen, und zudem möglichst viele Freunde und Bekannte dazu bewegen, das Gleiche zu tun: Hier mitzeichnen Mehr zu lesen gibts

zul. bearbeitet 2016-08-23 20:36:19

Eine Rose der Arbeiter

01. 04. 2009, Kategorie: Gesellschaft

In einem Video im Netz sieht man eine einzelne gelbe Rose inmitten wuchernder Brennesseln vor einem verfallenden Fabrikgebäude in Dresden. Vom Erzähler erfährt man, daß die Arbeiter dieser Fabrik (zu denen der Autor selbst gehört hatte) sich vor ihrem Werk, auf das sie stolz waren, ein Rosenbeet angelegt hatten. Nach der Wende zum Kapitalismus wurde die Fabrik stillgelegt, die Arbeiter entlassen, seither ist das Gebäude am verfallen und Brennesseln machen sich im Rosenbeet breit. Eine Rose war zäh genug, sich zu behaupten. Die Geschichte hat mich fasziniert. Ich kam in Kontakt zu den Autoren des Videos. Kommenden Sommer wollen wir jedenfalls Augen von dieser Rose auf neue Wurzeln veredeln, um ihr wenigstens Nachkommen zu sichern. Denn eine Rose, die eine Geschichte erzählt, sollte man in hohen Ehren halten, gerade weil es mal keine Geschichte von französischen Kaiserinnen oder britischen Herzoginnen ist, sondern von unseresgleichen, die davon handelt, was aus unserem Werk und uns wird, wenn das große Kapital es eines Tages nicht mehr als rentabel ansiehtt, weil es ihm gelingt, irgendwo in der Welt Arbeitskraft noch billiger einzukaufen. Konkretere Pläne, wie dieser Rose zur schuldigen Ehre zu verhelfen ist, werden noch geschmiedet. Vielleicht haben Sie eine gute Idee? Das Video von der gelben Rose in Dresden

zul. bearbeitet 2016-08-16 14:51:38

Gärtner und die IG B.A.U. Ein Artikel aus dem Jahr 2005

27. 07. 2005, Kategorie: Gesellschaft

Hintergrund Skandal: "Hungerlöhne" im Gartenbau Durch eine Bundestags-Anfrage der CDU und einen Artikel in "BILD" kam es im Frühjahr 2004 ans Licht der Öffentlichkeit: Im Gartenbau werden die niedrigsten Tariflöhne gezahlt, die es in Deutschland gibt. Alternativen Eine Gewerkschaft, in deren Zuständigkeitsbereich solche "Hungerlöhne" aufgedeckt werden, hat im Prinzip zwei Möglichkeiten zu reagieren: Reaktionsmöglichkeit 1: Den Skandal bemänteln, die entstandene Öffentlichkeit meiden, möglichst nichts sagen und hoffen, daß sich nichts tut und alles wieder im Sande verläuft. Gelingt Strategie 1, bleibt zwar das Ansehen der Organisation, deren Unterschrift immerhin unter solchen Tarifverträgen steht, bis zum nächsten Skandal unbefleckt, aber die betroffenen Arbeitnehmer stehen allein im Regen. Mitglieder werden sich fragen, wozu sie Beiträge bezahlen. Oder Reaktionsmöglichkeit 2: Das Problem als Handlungsauftrag erkennen, die eigenen Kräfte geschickt einsetzen und die öffentliche Aufmerksamkeit als seltenen Glücksfall nutzen wie auch das Interesse der Arbeitgeberseite an einem guten Image der Branche, um endlich, zunächst für die am schlechtesten Gestellten und dann für die ganze Branche, Verbesserungen zu erstreiten. Dann verstehen Mitglieder, wozu sie Beiträge bezahlen und neue Mitglieder können hinzugewonnen werden. Die Satzung der IG B.A.U. gebietet übrigens Reaktionsweise 2: jedes Mitglied hat: "die wirtschaftlichen [...] Interessen der Mitglieder zu fördern". Die hauptamtlichen Funktionäre reagierten jedoch nach Muster 1. Nur wenige Tage zuvor waren in der IG B.A.U. durch eine in der Gewerkschaftsgeschichte beispiellose Aktion des Bundesvorstands die hauptamtlich Verantwortlichen für den Gartenbau komplett ausgewechselt worden. Die aus ihren Ämtern verjagten vorher Zuständigen hätten Strategie 2 gewählt. Vernachlässigte Branche Schon zu Zeiten, als noch die GGLF für sie zuständig war, waren die Arbeitnehmer im Gartenbau ein Stiefkind der Gewerkschaft. Die GGLF hatte ihren Schwerpunkt im Forst. Gärtner waren von jeher selten Gewerkschaftsmitglieder. Wo sie arbeiten, überwiegend in Klein- und Kleinstbetrieben, ist die Macht des Chefs normalerweise die einzig erfahrbare Realität. Eine Gewerkschaft hätte sich wohl über Gebühr anstrengen müssen, um in so einer Branche den Organisationsgrad über die jetzigen 0,9% hinaus zu erhöhen und daraufhin als ernstgenommener Verhandlungspartner bessere Löhne und Arbeitsbedingungen durchzusetzen. Durch ihre Inaktivität allerdings, war und ist es für die Arbeitnehmer erst recht schwer einsehbar, wozu sie von ihrem wenigen Verdienst 1,15% Beitrag an die Gewerkschaft abzweigen sollten - ein Teufelskreis. Anders im Forst: Forstleute sind von jeher gut organisiert und arbeiten häufig im Öffentlichen Dienst, wo es einer Gewerkschaft viel leichter fällt, präsent zu sein als in einer Familienbetriebs-Gärtnerei. So wurde im Gartenbau die Aufsplitterung in viele Ländertarife nie angetastet. Die Arbeitgeber erhöhten die schlechten Löhne nur aus Güte ab und zu ein wenig. Standards der westdeutschen Wohlstandsgesellschaft wie 13. Monatsgehalt, Schlechtwetterregelung u.v.m. gelangten nie in Tarifverträge des Gartenbaus. Dafür kam die Flexibilisierung der Arbeitszeit schon früh hinein, und in einem Maß, von dem heute Arbeitgeber anderer Branchen träumen. Nun war die GGLF leider eine kleine, finanzschwache Gewerkschaft. Daher konnten, als Mitte der Neunziger Jahre ihre Fusion mit der großen IG BSE zur IG B.A.U. anstand, Arbeitnehmer in den vernachlässigten Branchen hoffen, die nun viel stärkere Organisation werde endlich etwas bewegen. Tatsächlich zeigte es sich, daß der große Bruder keinen Grund sah, auf dem unattraktiven grünen Gebiet Versäumtes aufzuarbeiten und wenig bis gar kein Verständnis für die grünen Spezialprobleme mitbrachte. Kaum ein Bezirksgeschäftsführer wollte sich den Kopf mit solchen Feinheiten zerbrechen wie zum Beispiel, ob ein Gärtner nun dem Gartenbau (Ecklohn je nach Tarifbezirk ) oder dem Garten- und Landschaftsbau zuzuordnen sei (Ecklohn ). Mitglieder und ehrenamtliche Funktionäre erhielten aus solchen und noch banaleren Gründen die für sie bestimmten Informationen aus der Organisation unregelmäßig oder gar nicht. Kommunikationsstörung mit System Man bezeichnete das als Kommunikationsproblem zwischen Hauptamtlichen und Ehrenamtlichen und suchte fleißig und wohlmeinend Lösungswege auf Sitzungen, Konferenzen und Spezialseminaren. Aber man drehte sich nur im Kreis. All die Reise- und Hotelkosten waren zum Fenster hinausgeworfenes Geld, die verdiskutierte Zeit war verschwendete Zeit. Denn obwohl sie ihre Gehälter von den Mitgliedsbeiträgen bezahlt bekommen und sie nach außen hin bis heute mit Slogans wie "Mitmachgewerkschaft" werben, sahen die Hauptamtlichen gar keinen Bedarf, auf die Mitglieder und die gewählten ehrenamtlichen Gremien zu hören. Je gestörter die Kommunikation der Ehrenamtlichen, desto ungestörter können sie nichts zur Veränderung der Verhältnisse tun. Am ärgsten traf es die Bundesfachgruppe Garten- und Landschaftsbau . Ihr Vorsitzender reiste gern viel, am liebsten mit dem Flugzeug, nicht nur zu Gewerkschaftssitzungen sondern auch zu Veranstaltungen von Arbeitgeberorganisationen. Seine Kollegen erfuhren von ihm nicht, was er dort tat. Die Arbeitgeber jedoch erfuhren offenbar durch ihn Personalien, die sie in Tarifverhandlungen verwendeten, um Tarifkommissionsmitglieder auf Gewerkschaftsseite persönlich anzugreifen. Der ständige Tenor seiner Diskussionsbeiträge war übrigens, daß man sich "bewegen" müsse. Wohin, vermied er, direkt auszusprechen. Kurzzeitiger Silberstreif am Horizont Neue Personen Auf dem Ordentlichen Gewerkschaftstag 2002 wurde Kritik an Klaus Pankaus (das bis dahin für den Grünen Bereich zuständige Bundevorstandsmitglied) Geringschätzung der Ehrenamtlichen vorgebracht. Daraufhin bekam er nicht genügend Stimmen, um wieder in den Bundesvorstand gewählt zu werden. Seine Karriere hat er dann nicht auf Arbeitnehmerseite fortgesetzt, er ist jetzt Personalchef bei WISAG, einem Konzern, der in den IG-B.A.U.-Branchen Gebäudereinigung und Garten- und Landschaftsbaubetrieb tätig ist. Neu in den Bundesvorstand wurde Margot Gudd gewählt, vorher Geschäftsführerin im Bezirksverband Wiesbaden-Limburg. Sie wurde für den grünen Bereich (Vorstandsbereich V) zuständig. Anders als Pankau hat sie eine Vorgeschichte als Arbeitnehmerin in einer IG-B.A.U.-Branche, und zwar der Gebäudereinigung, einer ähnlich wie der Gartenbau von der Gewerkschaft tarditionell vernachlässigten Branche mit geringem Ansehen, schlechten Arbeitsbedingungen und schlechter Bezahlung. Margot Gudd bat uns in der Bundesfachgruppe Gartenbau, ihr als Branchenfremder aus unserer Berufserfahrung die Verhältnisse im Gartenbau zu erklären und die Probleme zu benennen, die am dringendsten anzupacken seien. Darin unterschied sie sich fundamental von ihrem Vorgänger und ihrem Nachfolger. Die dozieren lieber von oben herab über die Lage und daß nichts daran zu ändern sei. Wenn Margot Gudd ihre Unterschrift unter einen Tarifvertrag setzen sollte, fragte sie sich zuvor, ob sie mit ihrem Namen unter solch einem Dokument gut schlafen können würde. Solche Gewissensfragen stellten und stellen sich ihre Vorgänger und Nachfolger auch nicht. Mit Karl-Heinz Lach stellte sie einen Branchengeschäftsführer ein, von dessen Erfahrung in der Branche, politischem Scharfblick und taktischem Kalkül zu "befürchten" war, daß er etwas ins Rollen bringen würde. Kommunikationsfluß Auf einmal funktionierte dann auch der Informationsfluß, jedenfalls soweit der Bundesvorstandsbereich V dafür zuständig war. Der Bundesfachgruppenvorstand wurde durch Kopien der wichtigsten Korrepondenz laufend auf dem neuesten Informationsstand gehalten und konnte bei seinen vierteljährlichen Treffen ohne Umschweife direkt zur Sache kommen. Eine Menge Geld, das normalerweise für unfruchtbare Kommunikationsdebatten vergeudt wird, wurde dadurch gespart. Ziele und Eckpunkte Gemeinsam, in wenn nötig harten Diskussionen, wurden Nah- und Fernziele abgesteckt, die der Rückständigkeit der Branche an die Wurzel gegangen wären und für die es sich wieder lohnte, als Gärtner Gewerkschaftsmitglied zu sein: * Erhöhung der Skandallöhne in Ostdeutschland an das westdeutsche Niveau - und langfristig ein Bundes-Tarifvertrag für den Produktionsgartenbau; * stufenweise Angleichung des Gartenbau-Tarifs an den Tarif des garten- und Landschaftsbaus, denn Gärtner in der Produktion arbeiten genauso qualifiziert und engagiert wie ihre Kollegen im Garten- und Landschaftsbau, viele werden sogar direkt im Garten- und Landschaftsbau eingesetzt; * Verhindern der von den Arbeitgebern geforderten Scherenöffnung zwischen steigenden Löhnen für die wenigen hoch qualifizierten "Antreiber" und Billiglöhnen für immer mehr ungelernte, die die Masse der Arbeit verrichten sollen. * Entlastung der im Freien arbeitenden Gärtner vom alleinigen Tragen des Schlechtwetterrisikos, denn auch Gärtner möchten ihren Urlaub nicht für die Zeit aufheben, in der es draußen zum arbeiten zu naß und zu kalt ist - und keine weitere Flexibilisierung der Arbeitszeit, oder, anders ausgedrückt, keine Streichung der Überstundenzuschläge. Eine Strategie zur Erreichung dieser Ziele wurde ausgearbeitet. Es wurden Kontakte geknüpft. Hoffnungsvolle Anfangserfolge Es wurden auch schon einige Erfolge erreicht. In Bayern hatten die Arbeitgeber genug von der Blockadepolitik ihres eigenen Spitzenverbandes und kamen der Gewerkschaftsforderung entgegen. Daraufhin sahen sich die nordrhein-westfälischen Gärtnereien in ihrer Ehre gekränkt, die bestbezahlenden in Deutschland zu sein und legten ebenfalls zu. Viel mehr war kurzfristig nicht zu erwarten, bevor wir nicht unsere Mitgliederbasis vergrößert hatten und wird auch von anderen Verhandlern nicht erzielbar sein. Wo die Arbeitgeber unannehmbare Forderungen stellten, wurde lieber gar kein neuer Tarifvertrag abgeschlossen. Vor allem im Garten- und Landschaftsbau gab es wegen der Arbeitgeberforderung nach "großer Flexibilisierung" jahrelang keinen Abschluß. Im Herbst 2003 begannen die Arbeitgeber im Produktionsgartenbau, sich an diese Flexibilisierungsforderung anzuschließen und unsere beiden Bundesfachgruppen verständigten sich darauf, noch enger zusammenzuarbeiten, um keinen Dammbruch zu riskieren. Die Garten- und Landschaftsbau-Fachgruppe war jedoch nicht einstimmig gegen diese Flexibilisierung, ihr Vorsitzender arbeitete daran, den Widerstand aufzuweichen. Diese Uneinigkeit war eine Schwachstelle der Branchenarbeit im Gartenbau, deshalb versuchten wir im Winter 2003/2004, sie auf unseren gemeinsamen Sitzungen beider Bundesfachgruppen zu überwinden. Keiner rechnete aber damit, daß ausgerechnet der Bundesvorstand unserer eigenen Gewerkschaft diese Schwachstelle ausnutzen würde, um das ganze erfolgreich Begonnene zu zerstören: Der Putsch gegen den Vorstandsbereich V aus heiterem Himmel ... Nur über private Kontakte erfuhren wir Mitglieder des Bundesfachgruppenvorstands Gartenbau Ende April von dem Putsch des Bundesvorstands am 19. April 2004 gegen den Vorstandsbereich V: Margot Gudd wurde per Geschäftsverteilungsbeschluß die Zuständigkeit für unsere Branchen weggenommen und unser Branchensekretär wurde fristlos entlassen. Der Grüne Bundesvorstandsbereich V wurde aufgelöst. Einen Teil der Branche, den Garten- und Landschaftsbau, übernahm der Bundesvorsitzende Klaus Wiesehügel in seinen eigenen Zuständigkeitsbereich, den Rest hängte man dem Vorstandsbereich III Landwirtschaft (Hans-Joachim Wilms) an. Erst am folgenden Wochenende rief Hans-Joachim Wilms beiläufig von unterwegs aus dem Auto unseren Bundesfachgruppenvorsitzenden an, um ihm kurz und ohne auf Rückfragen zu antworten die vollendeten Tatsachen mitzuteilen. Von da an liefen unsere Telefondrähte heiß, aber wir waren alle viel zu lang damit beschäftigt, die Tatsachen als Tatsachen zu erkennen und unser naives Vertrauen in die Spitze unserer Organisation abzubauen, um postwendend so effektiv agieren zu können, wie das der Forstbereich fertigbrachte: Der konnte sich durch massiven Protest Karl-Heinz Lach wenigstens für eine Übergangszeit als Branchensekretär erhalten. Wir schrieben einen Protestbrief an den Gewerkschaftsrat, das höchste Organ zwischen den Gewerkschaftstagen, mit der Bitte, die neue Geschäftsverteilung wieder rückgängig zu machen. Da wir die Adressen der Mitglieder dieses Gremiums nicht parat hatten, ging der Brief mit der Bitte um Weiterleitung an den Bundesvorstand - und wurde dort zurückgehalten. Mitgliederverdummung und Mobbing Die "taspo" berichtete in der nächsten Woche auf der Titelseite und seither bei jeder sich bietenden Gelegenheit über die Arbeitgeberfreundlichkeit der neuen Branchenvertreter auf Seiten der IG B.A.U. Der "Grundstein" thematisierte den Konflikt bis heute überhaupt nicht. Nur wer zwischen den Zeilen liest, konnte aus der Ankündigung eines Außerordentlichen Gewerkschaftstags mit Ergänzungswahlen schließen, daß es im Bundesvorstand Krach gegeben haben könnte. Wo man auch bei der IG B.A.U. nachfragte, bekam man die gleiche, offenbar zentral sprachgeregelte, inhaltslose Antwort: Es müsse etwas sehr Schwerwiegendes gegen die beiden vorliegen, denn sonst würde der Bundesvorstand keine so außergewöhnlichen Schritte ergreifen. Die Begründung für die Schritte sollten also allen Ernstes die Schritte selbst sein! Die Gründe würde man nicht offenlegen, "um den Betroffenen nicht zu schaden". Diese Argumentation muß man erst einmal so richtig auf sich wirken lassen: Genau wie in Hans Christian Andersens Märchen "Des Kaisers neue Kleider" hätte nur jemand dazwischenrufen brauchen: "Ihr hattet ja gar keine Gründe!" Aber das tat niemand. Im Gegenteil: Führten wir konkrete Gründe für die Tatsache an, daß Margot Gudd und unser Branchensekretär zuverlässige und ehrliche Leute sind und viel für unsere Branche geleistet haben, so brachten es Hauptamtliche, ohne sich zu schämen, fertig zu behaupten, ihre unsichtbaren Pseudo-Gründe wögen noch schwerer als unsere offen zutage liegenden, obwohl - oder weil? - keiner sie sehen konnte! Erst wurde auf eine Sitzung des Gewerkschaftsbeirats Mitte Mai vertröstet, dort würden alle Gründe offengelegt - wurden sie aber nicht. Immer noch kam keiner auf die Idee, daß es gar keine Gründe gab. Dann hieß es, auf einem Außerordentlichen Gewerkschaftstag im September, der zur Wahl eines Nachfolgers von Margot Gudd einberufen werden mußte, würden sie bekanntgemacht - wurden sie auch nicht! Inzwischen hatte man dem Klatsch und Geschwätz die Zügel schießen gelassen und, wie es so geht, wußte allmählich jeder genügend Gründe, warum es so gekommen sein könnte, so daß keiner mehr eine Begründung vom Bundesvorstand einforderte. Margot Gudd brachte man dahin, ihr Dienstverhältnis mit der IG B.A.U. zu kündigen und glaubte, den ganzen Konflikt erfolgreich ausgesessen zu haben. Auf dieselbe Weise könnte man jede Gewaltmaßnahme gegen jedes beliebige andere Bundesvorstandsmitglied genauso gut rechtfertigen. Die Kritikfähigkeit in der IG B.A.U. ist also noch auf dem Stand, den Andersens Märchen anprangerten, und der Bundesvorstand verstand es, diesen traurigen Umstand auf perfide Weise für seine Zwecke einzusetzen: die Gerüchteküche anheizend, tat er noch so, als schütze er die, die er dem Geschwätz preisgab. Die sogenannte Mitmachgewerkschaft zeigt ihr wahres Gesicht Eine "Mitmachgewerkschaft", als die sie sich in der Mitgliederwerbung am liebsten darstellt, wo jeder "mitmachen, mitgestalten, mitverändern" können soll, kann die IG B.A.U. nicht sein, wenn ihre hauptamtlichen Funktionäre es schaffen können, einen Bundesvorstandsbereich aufzulösen, ein gewähltes Bundesvorstandsmitglied aus dem Amt zu drängen und eine Branche organisatorisch aufzulösen, ohne daß jemand etwas mitbekommt. Mitmachen ist offensichtlich nicht erwünscht. Beiträge zahlen und sich nicht in die Politik einmischen, die die hauptamtlichen Funktionäre allein machen, auch gegen die Arbeitnehmerinteressen, das soll die Basis. Deshalb wird sie in Unkenntnis gehalten. Das einzige gewerkschaftsweite Kommunikationsmedium, der monatliche "Grundstein/Säemann", druckt wie Parteiorgane in totalitären Systemen nur "positive" Leserbriefe und bringt nur Artikel über "positive" Themen. Welchen Wirklichkeitsbezug die "Grundstein"-Artikel haben zeigt folgende Anekdote: einen Bericht über ihre Vorstandssitzung konnten die erstaunten Mitglieder der Bundesfachgruppe Garten- und Landschaftsbau bereits im "Grundstein" lesen, bevor ihre Sitzung überhaupt angefangen hatte! Der ganze Putsch gegen den Grünen Bereich war im "Grundstein" komplett unsichtbar gemacht, die grünen Seiten wurden derweil mit Tips zur Pflanzenpflege und dergleichen gefüllt. Nicht besser steht es um die Netzseite auf http://www.igbau.de. Vor wenigen Jahren gab es dort noch ein Forum, in dem jeder seine Meinung zur Diskussion stellen konnte: das ist beim letzten Redesign entfernt worden. Früher konnten Gewerkschaftsgliederungen auch eigene Netzseiten gestalten und von der IG-B.A.U.-Seite verlinken lassen, auch das wird, angeblich aus Design-Gründen, nicht mehr erlaubt, und die Seiten der Bezirksverbände sind seither auf eine ganz einheitliche graue Inhaltsleere zurückgeführt. Die hauptamtlichen Funktionäre bedienen sich also des "Grundstein" und der Website, um ihre Sicht der Dinge allen Mitgliedern zu vermitteln und ihrer Bürotechnik, um untereinander zu kommunizieren. Die ehrenamtlichen können sich weder an alle wenden noch sich untereinander austauschen außer nach Feierabend und auf eigene (Telefon-, Online-, Porto-)Kosten. Die Hauptamtlichen könnten die Diskussion und die Kommunikation in der Organisation fördern, wenn sie wollten. Das wollen sie aber offenbar nicht. Wie blitzschnell und effektiv ihre Kommunikationswege funktionieren, erlebte man im Gefolge des Putsches bei mehreren Mobbing-Aktionen gegen Ehrenamtliche, die Protest geäußert hatten. Sie erhielten gut koordinierte Anrufe von Hauptamtlichen aus allen Richtungen mit der Aufforderung, sich zurückzuziehen. Die scheinheilig beklagten Kommunikationsdefizite sind ein Werkzeug, das bestimmte Teile der IG B.A.U.-Hauptamtlichen mit Meisterschaft gebrauchen, um ihre Politik gegen die Mitglieder durchzusetzen. Die Auswirkungen Weder Margot Gudd noch Karl-Heinz Lach haben nichts getan, das es gerechtfertigt hätte, den Grünen Bereich in der IG B.A.U. zu zerschlagen. Warum macht der Bundesvorstand so etwas? Es wird sein Geheimnis bleiben, aber man kann aus den Resultaten, die er geschaffen hat, auf seine Absichten schließen: Die Bundesfachgruppen Er hat den grünen Bundesfachgruppen klargemacht, daß auf sie überhaupt nichts ankommt. Branchensekretär und zuständiges Bundesvorstandsmitglied werden ohne Rücksprache mit den Bundesfachgruppen eingesetzt und ausgetauscht. Bei der Übergabe der Geschäfte wird ausdrücklich nicht auf Kontinuität geachtet. Die Fachgruppen können den neuen Zuständigen jetzt wieder über ein Jahr hin oder länger vortragen, was sie wollen - bevor die endlich anfangen könnten, es in die Tat umzusetzen (gesetzt den Fall, daß sie das überhaupt wollen), werden sie wieder abberufen. Funktionierende und fruchtbringende Zusammenarbeit wird dagegen sofort und massiv unterbunden. Der innere Zwist in der Bundesfachgruppe Garten- und Landschaftsbau wurde zwar einstweilen beigelegt: ihrem umstrittenen Vorsitzenden wurde einer der Gewerkschafts-Sitze im Vorstand der Gartenbau-Berufsgenossenschaft angeboten, woraufhin er den Vorsitz der Bundesfachgruppe seinem bisherigen Stellvertreter überließ. Aber was jetzt fehlt, ist die Koordination der gesamten Branchenarbeit im Gartenbau durch den Vorstandsbereich V. Die Vertretung der Garten- und Landschaftsbauer fand sich bereits am 6. Mai 2004 zu einer Sitzung nach Berlin einberufen, wo Klaus Wiesehügel sie in seine Politik einzubinden versuchte. Die Bundesfachgruppe Gartenbau mußte am 30. 10. bei einer Sitzung mit Hans-Joachim Wilms feststellen, daß die Eckpunkte ihrer bisherigen Arbeit den neuen zuständigen Hauptamtlichen über ein halbes Jahr nach der Amtsübernahme noch gar nicht bekannt waren, wozu Wilms auch noch geradeheraus erklärte, ihn interessiere sowieso nicht, was wir beschließen, er werde darauf keine Rücksicht nehmen. Die Tarifverhandlungen Die taspo beobachtet genauestens die neue Tarifpolitik der IG B.A.U. im Gartenbau und stellt sie als Eingehen auf die Arbeitgeberforderungen dar. Bei den Verhandlungen, die zu den Tarifabschlüssen in Bayern (Baumschulen) und Brandenburg führten, waren keine ehrenamtlichen Tarifkommissionsmitglieder anwesend. Im Garten- und Landschaftsbau wurde zunächst viel von der Übernahme der Verhandlungsführung durch den Bundesvorsitzenden selbst erhofft. Inzwischen hat sich gezeigt, daß er den Arbeitgebern auch nicht mehr entgegenzusetzen hat und wahrscheinlich die Verhandlungen demnächst für gescheitert erklären muß. Ein Schritt, den seine Vorgängerin noch vermeiden konnte. Resümmee Kurz und knapp zusammengefaßt, heißt das nicht anderes als: Der IG B.A.U.-Bundesvorstand hat mit seiner Aktion gegen den Vorstandsbereich V den Arbeitgebern in die Hände gespielt und den Gärtnern geschadet. Er hat die endlich erfolgreich begonnene Branchenarbeit in dieser vernachlässigten Branche mutwillig kaputtgemacht. Die IG B.A.U. kann sich nicht Interessenvertreter der Arbeitnehmer im Gartenbau nennen. Ausblick Im Jahr 2005 findet allerdings der nächste Gewerkschaftstag statt. Es bleibt abzuwarten, ob der jetzige Bundesvorstand verhindern kann, daß diesem höchsten Organ der Gewerkschaft die hier geschilderten Vorgänge bekannt werden. Falls nicht, könnte es sein, daß doch noch die Gerechtigkeit siegt und wieder einmal Bundesvorstandsmitgliedern Stimmen zur Wiederwahl fehlen. Ob das den Gärtnern etwas bringen wird, bleibt dann immer noch abzuwarten. [an error occurred while processing this directive]

zul. bearbeitet 2016-08-22 21:13:16

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