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Köln Hbf
geblogt am 21. 06. 2025

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20. November 1964: Umzug wider Willen

Am Morgen beim Frühstück in unserer Küche in Aschaffenburg waren die Möbelpacker gekommen, hatten einfach angefangen, unsere Wohnung auszuräumen und alles in einen Lastwagen mit Anhänger zu verstauen, der vor unserem Haus stand, mit großen Buchstaben PETER JOSEF ZIMMER. Lesen konnte ich schon, aber von der Sprache der fremden Männer verstand ich kein Wort und fragte meine Eltern, ob das Französisch wäre. So ein großes und gefährliches Fahrzeug hatte noch nie zuvor in unserer friedlichen Heimstraße gestanden, es verschluckte nach und nach unsere ganzen Habseligkeiten. Selbst das Brot, die Butter und die Marmelade vom Frühstückstisch stopften sie, ohne daß jemand sie aufhielt, in eine von zig Kisten, und dann waren wir zwar noch in unserer Wohnung, aber sie war kalt (Ende November, und der Küchenherd wärmte nicht mehr, denn auch er war bereits im Möbelwagen) und leer, und wir waren noch nicht draußen und doch bereits heimatlos. Meine Eltern hatten alles wortlos geschehen lassen und nichts verhindert, und das Vertrauen in ihre Macht als Beschützer war zerbrochen. Wochenlang vorher hatte ich auf dem Heimweg von der Schule überlegt, wo ich mich verstecken könnte, wenn der Umzugstag käme, damit ich nicht mit weg müßte, und jetzt war es zu spät, alles ging seinen Gang, unerbittlich.[x]

Irgendwie sind wir wohl mit dem 4-er Bus in die Stadt und zum Bahnhof gefahren, jedenfalls saßen wir, als es draußen schon längst dunkel geworden war, in einem Zugabteil und fuhren am Rhein entlang Richtung Köln. Zug gefahren waren wir schon oft, auf Besuch zu Verwandten in Wiesbaden und in Oberbayern, aber diesmal ging es nicht in Ferien und später wieder nach hause, die Eltern hatten einfache Fahrkarten gekauft, keine Rückfahrkarten.[x]

Nach gut 2½ Stunden Fahrt kam eine große Stadt, der Zug fuhr langsamer, Straßenbrücken, riesengroße Güterbahnhöfe mit vielen starken Scheinwerfern, deren kalte Lichter den kalten November-Nieselregen durchstachen, und dann sah man den Dom und fuhr lange Zeit wie im Kreis um ihn herum, bis die Häuser ganz dicht an die Gleise heranrückten, man den Leuten in den Wohnungen beinahe auf den Abendbrottisch schauen konnte, und dann hielt der Zug. Hier Köln Hauptbahnhof, Köln Hauptbahnhof, Gleis 3. Der eingefahrene Schnellzug 762 aus München fährt um 19 Uhr 15 weiter nach Dortmund über Düsseldorf, Essen und so weiter. Ihre nächsten Anschlußzüge und so weiter. Das war jetzt hier offenbar eine Großstadt, nicht mehr wie Aschaffenburg, wo man von der Hauptstrecke Frankfurt-Würzburg ab und zu mal in eine Bimmelbahn nach Miltenberg umsteigen konnte … Mit vielen, vielen Menschen gingen wir mit unseren Taschen stumm die Treppe vom Bahnsteig herunter zum Querbahnsteig mit tausend Geschäften und Imbißbuden und einer unglaublichen Menschenmenge, die zwischen den Bahnhofsvorplätzen hin und her wogte, so daß man aufpassen mußte, nicht darin unterzugehen. Und dann der Blick durch die große Glaswand auf den beleuchteten Dom, viel viel höher als man durch die Glaswand sehen konnte, auch wenn man den Kopf noch so sehr in den Nacken legte—unermeßlich hoch.[x]

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